Offene Probe bei der LJBO-Akademie
Am 10.09.2026 fand im Kulturhaus Weiz eine offene Probe mit Prof. Johann Mösenbichler und dem LJBO-Akademieorchester statt. 45 Dirigent*innen und interessierte Musiker*innen nutzten die Möglichkeit, sich Probenmethodiken und differenzierte künstlerische Auffassungen aus erster Hand anzueignen.
Am 10.09.2026 fand im Kulturhaus Weiz eine offene Probe mit Prof. Johann Mösenbichler und dem LJBO-Akademieorchester statt. 45 Dirigent*innen und interessierte Musiker*innen nutzten die Möglichkeit, sich Probenmethodiken und differenzierte künstlerische Auffassungen aus erster Hand anzueignen. Geprobt wurden die Werke Marinarella von Julius Fučík und Curtain Up! von Alfred Reed, die das Orchester im Zuge der diesjährigen Projektwoche erarbeitete. Neben grundsätzlichen Fragen zur musikalischen Arbeit in Musikvereinen wurde durch zahlreiche Probensituationen effektive Probenarbeit mit dem Orchester demonstriert.

Dazu nutzt Mösenbichler eine interaktive Sprache, welche die Inhalte nach den Grundsätzen des Tuns vermittelt. Alles, was man dem Orchester zeigen kann, muss man in den Spielpausen nicht sagen oder erklären. Gestimmt wird ohne Stimmgerät, da dies die Musikalität der Musiker*innen fördert. Durch eigenständige Angleichung des Stimmtons setzt ein Lerneffekt ein, der nachhaltig zur Gehörbildung beiträgt. Wenn man ein Orchester einatmen hört, weiß man schon, wie es klingen wird. Daher sind eine atemtechnische Vorbereitung und eine Synchronizität des Orchesters in der Atmung essenziell. Zu Beginn der Probe wurden einzelne Töne ausgehalten, um das Klangbild zu balancieren und das gemeinsame Empfinden für Lautstärkestufen und Artikulationen zu referenzieren. Falls man den Konzertsaal noch nicht kennt, kann so außerdem ein erster Eindruck von der Raumakustik gewonnen werden. Als Warm-Up wurde eine Intervallübung gewählt, mit der zusätzlich die Reaktion des Orchesters auf unterschiedliche Tempi geschult werden sollte. Neben der Grundübung wurde auch eine rhythmische Variation gespielt. Die Intervalle setzten sich dabei entlang der Dur-Tonleiter aufwärts bis zur Oktave fort. Auch das Schlagzeug wurde bereits mit den Stabspielen und der kleinen Trommel ins Warm-Up eingebunden.

Musikvereine sind soziale Gefüge und die Erfahrung zeigt, dass es sozial am besten funktioniert, wenn es auch musikalisch funktioniert. Im Blasorchester gibt es oftmals generelle Tendenzen, die es zu berichtigen gilt. Nicht selten sind das forte zu laut und kurze Noten zu kurz und ohne Klang. Solche Elemente muss man als Orchesterleiter relativiert betrachten und in den Proben beständig daran arbeiten. In Bezug auf Marinarella seien zwei Probensituationen erwähnt: die Tonführung bei nach unten führenden Läufen ist wesentlich aufwendiger als bei deren noch oben führenden Pendants, um dieselbe Klangqualität zu erzielen. Bei gleichen Solos, die nacheinander durch verschiedene Instrumente gespielt werden, sollte man unbedingt davon absehen, diese vereinheitlichen zu wollen und die Individualität der Solist*innen fördern. Mösenbichlers Dirigat ist geprägt von ausdrucksstarker Mimik und großem Körpereinsatz, wobei die Handführung nicht selten auch auf oder über Kopfhöhe und auf Höhe der Oberschenkel erfolgt. Zur Kenntlichmachung der letzteren Variante war mit Sicherheit das Dirigentenpodest von Vorteil, dass ja auch nicht in allen heimischen Musikvereinen zum Standardequipment gehört. Dadurch ergibt sich jedoch mehr Raum fürs Dirigat und somit auch mehr Möglichkeiten zur musikalischen Gestaltung.

Ein großer Dank gilt dem Jugendteam, dass diese bereichernde Erfahrung für alle Teilnehmer*innen möglich gemacht hat und Johann Mösenbichler, der mit seiner musikalischen Expertise und seiner bemerkenswerten Probenarbeit viele wertvolle Impulse für die Arbeit in den steirischen Musikvereinen geliefert hat. Auch zum Thema Ausdruck in der Musik hatte der Maestro einen wertvollen Hinweis: „Man darf nicht nur die Noten spielen. Musizieren ist, wie ein gutes Buch zu lesen. Das Beste steht zwischen den Zeilen.“


