NEW LIFE

So der Titel des ersten Konzertstückes im April 2017 unter der Leitung des neuen Kapellmeisters der Trachtenmusikkapelle Ottendorf Christopher Koller. Ein neues Leben begann nach 27 Jahren auch für den bisherigen Kpm Herbert Maierhofer im Hornregister.

Die musikalische Laufbahn begann für Christopher mit dem Blockflötenunterricht von Onkel Harald, die ersten Gehversuche am Horn bei Onkel Herbert Maierhofer. Es folgte Hornunterricht am J.J. Fux Konservatorium bei Heckl sowie Studium bei Högner, Ebner und Sugar und Studium mit Schwerpunkt elementares Musizieren an der Kunstuniversität, Institut Oberschützen. Derzeit absolviert Christopher das Masterstudium I(G)P im Fach Horn und ist beruflich als Musikpädagoge und freischaffender Musiker unter anderem beim Brassquintett „Children of Brass“ und beim Holzbläserquintett „armoniavento“ tätig.

Schon als Kleinkind war ich fasziniert von der TMK Ottendorf, sei es die Tracht, der Klangkörper oder die Tatsache, dass viele meiner Verwandten im Verein musizierten, so Christopher. Eigentlich wollte ich Trompete lernen, aber mein Onkel Herbert brachte mir einen komisch aussehenden Koffer. Ich hatte damals keine Ahnung, was das sein sollte, aber vertraute ihm und erlernte Horn. Bald schon musizierte ich auf der dritten und später der ersten Stimme, wurde Jugendreferent-Stv. und war auch fixer Bestandteil im Orchester bei den Musicalproduktionen des Kulturkreises Ottendorf.

Als Pädagoge kam er schon sehr früh zum Einsatz. Christopher meint: „Mein erstes Opfer (ja man kann es aufgrund meiner damaligen Unerfahrenheit wirklich so nennen) war meine kleinste Schwester Viktoria auf der Blockflöte“. Sie ist übrigens ausgezeichnete Klarinettistin. Meine Schwester Alexandra ist Stimmführerin der Querflöten und Bruder Thomas spielt Trompete und liebt freies musizieren. In der vom Kpm ins Leben gerufenen Musikwerkstatt (mittlerweile Blasmusikbezirkscamp) war ich schon früh als Dozent tätig. Das großartige Konzept der Registerproben brachte für mich die Herausforderung mit den Tuben zu beginnen. Ehrlich gesagt war es anfänglich nicht einfach mit den erfahrenen Tubisten und mit Ideen und Erfahrungen, die noch nicht so ganz bei den Musikern ankamen. Kurze Zeit später durfte ich auch die Proben der Posaunen und Hörner leiten, machte dadurch meine ersten Dirigier- und „wo san de Stimmen schon wieder in der Partitur zu finden“ – Erfahrung.

Mit dem Besuch der HTL Weiz ging es beruflich in eine andere Richtung und nach der Matura zur Militärmusik Steiermark. Dort lernte er viele neue Leute, Musikrichtungen, Traditionen und Einstellungen zur Musik kennen. In dieser Zeit übernahm Christopher die musikalische Leitung des traditionellen Kammermusikkonzertes am Christkönigssonntag und wurde Kapellmeister- und Stabführer-Stv.

Christopher begann allmählich sein Hobby zum Beruf zu machen und studierte Musik. Er konnte sehr viele Erfahrungen mit verschiedensten Dirigenten sammeln und versuchte alles Erlernte und alle Ideen in die Musikkapelle hineinzutragen. Aufgrund einer Erkrankung des Kapellmeisters übernahmen die zwei Kapellmeister-Stv. Christian Flechl und Christopher die musikalische Leitung. Christopher gefiel die Tätigkeit immer besser, wobei damals der Faktor „Verantwortung tragen“ noch gar nicht als Gedanke vorhanden war und Herbert bald wieder fit war.

Seine Lebensgefährtin und Marketenderin Eva Brodtrager nahm einen Job im Salzkammergut an und beide wohnten dort. Als Maierhofer bekannt gab, dass er in absehbarer Zeit sein Amt als Kapellmeister niederlegen wird, spielte Christopher, auch aufgrund seiner ungewissen beruflichen Zukunft, nicht einmal mit dem Gedanken, diese Stelle anzunehmen. Mitten in den Überlegungen über die Zukunft der TMK Ottendorf meinte seine Eva, es wäre doch schön wieder in der Heimat sesshaft zu werden. „Da machte es klick“, erzählt Christopher, „meine Zweifel waren verschwunden und ich machte mein Interesse am Kapellmeisteramt publik. Eine Vorstandssitzung, einige Telefonate und eine Neuwahl später war es dann soweit. Ich tauschte Horn gegen Taktstock.“

Freitags, 20 Uhr, die Musikerinnen und Musiker nehmen Platz, einige versuchen noch die Ventile in Gang zu bringen oder Blasen sich ein, Probenbeginn. Lange Zeit nahm ich die wöchentliche Musikprobe in dieser Art und Weise wahr. Es wird gemeinsam musiziert, der Kapellmeister gibt Tipps und Tricks zu den verschiedensten Stücken, zur Interpretation, zur Artikulation und was einem sonst noch zum Thema „wir erarbeiten ein Musikstück“ einfällt, erzählt etwas über den Komponisten und den Hintergrund eines Werkes. Damals war es so, der Kapellmeister gab mir Instruktionen und ich als Musiker versuchte diese auszuführen. Nun ist es anders. Ich bin Derjenige, der vorne den Taktstock schwingt und unser ehemaliger Kapellmeister sitzt jetzt in den Reihen – noch dazu am Horn, das ich selbst spiele.

Christopher weiter: „Am meisten irritierten mich am Anfang die Gratulationen. Ich bemerkte ein Aufatmen und die Ruhe im Verein, dass dieses doch sehr verantwortungsvolle Amt im eigenen Verein bleibt, noch dazu ohne viel Diskussionen oder gar Auseinandersetzungen. Ich glaube einen guten Start hinter mir zu haben und schätze vor allem die gute Zusammenarbeit im Vorstand, den guten Zusammenhalt und die Kameradschaft von Jung bis Alt. Einer meiner derzeitigen Sprüche ist „Guat dass ma ned was auf wos ma sie einlost…“, oder doch?

Harald Maierhofer