Emotionaler Jahresbeginn

Das Neujahrskonzert des Landesjugendblasorchesters Steiermark sprengte wieder alle Rekorde und war ein einzigartiges Erlebnis für alle Sinne.

"Klassik Beats" war das schlichte Motto des heurigen Neujahrskonzerts im seit Monaten ausverkauften Stefaniensaal in Graz. Niemand konnte ahnen, welche unglaubliche künstlerlische Leistung sich hinter diesem Titel verbirgt.

 

Klassik

Die erste Konzerthälfte wurde wieder von Wolfgang Jud, dem Gründer und "Vater" des LJBO Steiermark, geleitet und bereits der fulminante Beginn ließ Großes erahnen. Die Uraufführung der wuchtigen Eröffnungsfanfare "A Half Century" von Siegmund Andraschek vereinte gewohnte Klangfarben mit neuen Mustern und zeigte, dass sich Aspekte traditioneller Blasmusik ideal mit sämtlichen musikalischen Stilmitteln vereinen lassen. Die Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus Politik und Blasmusik, allen voran LH Hermann Schützenhöfer, LRin Ursula Lackner und ÖBV-Präsident Erich Riegler, unterstrich den hohen Stellenwert, den dieses Konzertereignis in den letzten Jahren eingenommen hat.

In "Toccata und Fuge in d-Moll" von J.S. Bach (Arr. D. Hunsberger) konnte man die technische Perfektion jedes einzelnen Orchestermitglieds hautnah erleben und vor allem das Holzregister brillierte mit perfekten technischen Läufen, die nahe an der Grenze des Unmöglichen gelegen sind. Orgelakkorde verstärkten heuer erstmals das Orchester und ließen bis dato ungekannte Klangfarben erkennen. Viel ruhiger, aber dafür umso emotionaler wirkte "Out of Africa" von John Barry (Arr. J. de Meij), das mit wundervollen Akkorden, die durch die volle Instrumentation im tiefen Holzregister noch viel eindrucksvoller klangen, zum Nachdenken anregte. "Hungarian Potpourrie", ein Arrangement von Siegmund Adraschek, war eine perfekte Verschmelzung von Melodien der großen Komponisten Johann Strauß (Sohn) und Johannes Brahms.

"El Camino Real" ist vielen Blasmusikern von Konzertwertungsspielen oder diversen Festkonzerten bekannt. Jedoch interpretierte das LJBO diesen "Klassiker" der modernen Blasmusik auf einem derart hohen Niveau, wie man es sonst nur von Studioaufnahmen professioneller Orchester kennt.

 

Beats

Bereits die umfangreichen Umbauarbeiten in der Pause ließen erahnen, dass Siegmund Andraschek, der musikalische Leiter der zweiten Konzerthälfte, auch für heuer wieder etwas Geniales geplant hatte - und dem war so.

Die folgende Mischung aus Musik, Choreographie, Licht und Gesang zog den gesamten Saal vollends in seinen Bann. Mit großartigen Arrangements von weltbekannten Stücken der Pop-Geschichte zeigten Andraschek und das LJBO, was alles mit einem sinfonischen Blasorchester möglich ist. Der "Blick über den Tellerrand" der Blasmusik war voller Emotionen - mal klatsche das Publikum heftig mit, mal saßen Menschen nachdenklich auf ihren Sitzen. Ein internationales Ensemble aus Sängern verstärkte das LJBO und alle Akteure brachten den Saal teilweise zum Beben.

Es ist nicht möglich, sämtliche Eindrücke dieses einzigartigen Klangerlebnisses in Worten zusammenzufassen. Als ein Eckpunkt sei der Sänger Axel Herrig genannt, der als Falco-Interpret Meilensteine der österreichischen Popgeschichte und Erinnerungen an diesen großen Künstler aufleben ließ. 

Abschließend bleibt nur der Dank für einen Konzertabend des LJBO Steiermark, der uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Das Orchester besteht aus jungen Ausnahmetalenten, die in einem professionellen künstlerischen und organisatorischen Umfeld an sinfonische Blasmusik auf höchstem Niveau herangeführt werden. Wenn man in die lachenden und strahlenden Gesichter der Musiker blickt, merkt man, mit welch hohem Maß an Freude und Motivation im Orchester gearbeitet wird.

Danke LJBO!

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Rainer Schabereiter